GLORIA HÖCKNER
CV
Works
Text
Home
U r a u f f ü h r u n g : 7 . 0 9 . 2 0 1 9 | 2 0 : 0 0 U h r
Treffpunkt: In der Schaltzentrale, Beginn jeweils nach Sonnenuntergang

W e i t e r e V o r s t e l l u n g e n :
08.9. | 20:00 Uhr
12.9. | 19:30 Uhr
13.9. | 19:30 Uhr + Gesprächsrunde im Anschluss an die Performance mit Bianca Ludewig & Präsentation ihres Buches "Utopie und Apokalypse in der Popmusik"
14.9. | 19:30 Uhr + "Hallöchen" mit Jetzmann und Party im Anschluss an die Performance

Inspiriert durch die Praxis des Raves, die sich verlassene Orte der Vergangenheit wie alte Fabrikhallen aneignet und durch Musik utopisch auflädt, transformiert die Tanzperformance „Futurecore 2000 – All Beats Are Beautiful“ die 1.955 m² große Kesselhalle des stillgelegten „Kraftwerk Bille“ zu einem Ort posthumanistischer Fiktionen. Das Stück ist eine choreographische Auseinandersetzung apokalyptischen sowie utopischen Zukunftsvisionen innerhalb technoider Musikkulturen und darin enthaltenen posthumanistischen Perspektiven auf den Körper. Die Performer_innen Marc Carrera, Gloria Höckner und Su Jin Kim sowie die Soundkünstlerin Zoë McPherson begeben sich in die akustischen Welten von Hardcore Techno, die in „Futurecore 2000 – All Beats Are Beautiful“ zu Laboratorien für neue sensorische Räume werden. Das Publikum durchwandert in der riesigen Kesselhalle des alten Kraftwerks Szenarien, in denen sich Körper und Sound zu immer neuen posthumanistischen Formen zusammenschließen, fiktive Welten entstehen lassen oder ihr Ende ankündigen. Wir betrachten das aktuell wiederauflebende Genre Gabber als musikalisch verkörpertes Apokalypsenmotiv und suchen in der Verbindung von Körper und Sound nach neuen Beziehungsweisen und utopischen Körpern.






Elektronischer Musik und ihren technologischen Entwicklungen haftet der Vorwurf an, den Körper zu verneinen. „Futurecore 2000 – All Beats are Beautiful“ setzt dieser Behauptung Gabber entgegen. Durch die, ins „Übermenschlich“ gesteigerte Geschwindigkeit und tiefe Frequenzen, welche körperlich spürbar sind und nicht nur rein akustisch wahrgenommen werden, entdeckt das Stück in Auseinandersetzung mit Gabber eine „Hyperverkörperlichung“. Entlang dieser Entdeckung entsteht Tanz als Materialisierung von Beziehungen zwischen humanen und nicht humanen Elementen. Körper, Sound und bühnenbildnerische Objekte werden dabei gleichwertige Elemente einer Choreographie zwischen Utopie und Apokalypse. Das Organische des Körpers wird mit dem Maschinellen der Technomusik vermischt, bis die Grenzen zwischen human/inhuman, Sound/ Körper, Innerlichkeit/Äußerlichkeit hybrid werden. Das Stück greift das Moment des Umbruchs und der Transformation des musikalisch wiederkehrenden Sujets der Apokalypse auf und lässt es zum performativen Dreh- und Angelpunkt werden.
Musik kann als Spiegel der Gegenwart gesehen werden, sie greift neue technologische Entwicklungen auf, macht sie sich zu eigen und lässt Klangwelten entstehen, die bisher unbekannte sensorische Räume und damit potentielle Zukunftsräume eröffnen. Der darin tanzende Körper befindet sich in einer bisher unbekannten Sphäre, fühlt und entdeckt sich darin neu, entwirft neue mögliche Seinsweisen von sich selbst. Hardcore Techno und Gabber wurden am Beginn der 1990er Jahre geboren, im Aufkommen des beschleunigten globalisierten Kapitalismus und der Neuordnung der Welt nach dem Kalten Krieg. Die Genres greifen in ihren Klangbildern oft utopische wie dystopische Zukunftsvisionen auf, die im Zuge dieser politischen, technologischen und ökonomischen Entwicklungen aufkamen. Wir fragen uns heute - in der Zukunft von damals angekommen – welche dieser Visionen Realität wurden. Befinden wir uns in der Apokalypse? Zweifelsohne befinden wir uns in einer Neuordnung der Welt, einer Umwälzung bisher für stabil gehaltener Systeme und Allianzen.
Musik wird in dem Stück zur akustischen Zukunftsvision, dessen Transformationspotential für den Körper wir tänzerisch für das Theater nutzen. Die Rhythmen, Beats und Verzerrungen werden zur Zukunftsperspektive für den Körper.
Eine Produktion der core GbR in Kooperation mit Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. und dem Tag des Offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ermöglicht durch die Behörde für Kultur und Medien, die Hamburgische Kulturstiftung und den Fonds Darstellende Künste aus Mittel der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Mit freundlicher Unterstützung durch die Schaltzentrale, Probebühne im Gängeviertel e.V., sowie Hanseplatte.
FUTURECORE 2000 - ALL BEATS ARE BEAUTIFUL
Konzept, Choreografie: Gloria Höckner
Tanz: Marc Carrera, Gloria Höckner, Su Jin Kim
Musik: Zoë McPherson
Dramaturgie: Carolin Jüngst
Bühne: Marc Einsiedel, Felix Jung („wearevisual“)
Licht: Marek Lamprecht, Björn Salzer
Kostüm: Gloria Brillowska
Produktion: Bastian Sistig
Fotos & Video: Jonas Fischer
Grafikdesign Flyer & Poster: Lisa-Marie Fechteler
Homepage: David Liebermann
Soundanlage: Robert Prior
„Heute bedeutet das All betreten ein Voranschreiten im Rhythmus – auf der Suche nach einer neuen Verzauberung des Körpers“
Kodwo Eshun, „Heller als die Sonne – Abenteuer in der Sonic Fiction“